Calvados – Die Typologie

Calvados Herstellungsgebiet NormandieDie Informationen, die Sie auf einer Calvados Flasche finden, verraten viel über die jeweilige Klassifikation, den zu erwartenden Genuss und die Eignung des Brandes für Ihr individuelles Vorhaben.

Vom jungen und fruchtigen Calvados über lange gereifte Tropfen mit weichem Charakter bis hin zu Sorten, die aus einer bestimmten Region innerhalb der AOC Calvados stammen, stellt die Typologie eine wichtige Hilfe bei der Auswahl des passenden Brandes dar.

Die Unterteilung der Calvados Klassen funktioniert jedoch ein wenig anders als bei anderen Spirituosen wie etwa Cognac oder Armagnac.

Lesetipp: Calvados richtig trinken

Warum Calvados anders klassifiziert werden muss

Bei Spirituosen wie Cognac spielen die verwendeten Rebsorten eine wichtige Rolle. Sie geben Aufschluss über das aromatische Profil des Tropfens, seine Wertigkeit und beeinflussen auch die Preisklasse.

Da die zugelassenen Apfelsorten für Calvados jedoch nicht sortenrein verarbeitet, sondern „bunt gemischt“ werden, ist eine Klassifikation nach Sorten nicht möglich. Auch die Zugabe von Birnen sagt – abgesehen vom Calvados Domfrontais – recht wenig über die Typologie aus.

Noch schwieriger wird es, einen Calvados nach Sorten oder bestimmten Jahrgängen zu klassifizieren, wenn Sie das übliche Vorgehen der Kellermeister näher unter die Lupe nehmen.

So wird bei der Herstellung die Vermählung mehrerer Jahrgänge und Tropfen vorgenommen, die eine konkrete Aussage über den Inhalt und die Ausgangsstoffe kaum zulässt.

Es gibt zwar durchaus Calvados, der ausschließlich aus Bränden eines Jahrgangs komponiert wird. Diese sogenannten „Millésimes“ sind jedoch selten und spielen bei der Typologie des Brandes daher eine recht kleine Rolle.

Allgemein können Sie bei jedem Calvados davon ausgehen, dass er aus einer der folgenden elf Regionen stammt:

  • Calvados,
  • Domfrontais,
  • Pays d’Âuge,
  • Cotentin,
  • L’Avranchin,
  • Pays de la Risle,
  • Pays du Merlerault,
  • Mortainais,
  • Pays de Bray,
  • Vallée de l’Orne
  • und Perche.

Seit 1942 dürfen ausschließlich Apfelbrände, die aus den zugelassenen Regionen kommen, die offizielle Bezeichnung tragen.

Für alle anderen Brände aus Frankreich gilt die Bezeichnung „Eau de vie de Cidre“. Außerhalb Frankreichs finden Sie Branntweine dieser Kategorie als „Apfelbranntwein“, „Applejack“ oder auch „Aguardiente de Cidre“.

Möchten Sie mehr über die Typologie Ihres Favoriten wissen und wünschen Sie sich weitere Informationen bei der Auswahl des jeweiligen Tropfens, empfehlen wir Ihnen, sich an zwei wichtigen Punkten zu orientieren: der Klassifizierung nach Herkunft sowie der Typologie des Alters.

Unterteilung des Calvados nach seiner Herkunft

Wenn jeder Calvados nach seiner Herkunftsregion klassifiziert werden würde, wäre ein äußerst unübersichtliches Angebot die Folge. Daher finden sich bei der herkunftsbezogenen Typologie heute drei Hauptkategorien, anhand derer sich Rückschlüsse auf die Herstellung und den Charakter der Spirituose ziehen lassen. Diese sind:

  • Calvados (AOC)
  • Calvados Pays d’Auge
  • und Calvados Domfrontais.

Calvados (AOC): Jung und fruchtig

Ein Großteil der Tropfen, die Sie am Markt finden werden, sind Calvados (AOC). Etwa drei Viertel der gesamten Produktionsmenge erhalten nach der Produktion diese Klassifizierung. Für sie gilt, dass in jedem Calvados Äpfel und auch Birnen aus dem gesamten Gebiet Calvados verwendet werden dürfen. Dies macht diese Tropfen jedoch nicht schlechter oder gar weniger aromatisch.

Auch können bei der Destillation eines Calvados (AOC) sowohl die kontinuierliche als auch die diskontinuierliche Variante Anwendung finden. Für jeden Tropfen gilt eine Mindestgärdauer des Cidre von vier Wochen und eine Mindestlagerdauer des fertigen Brandes von zwei Jahren.

Calvados Pays d’Auge: Besonders hochwertig und aromatisch

Etwas spezifischer fällt die Klassifizierung beim Calvados Pays d’Auge aus. Unter Experten werden Tropfen dieser Klasse als besonders hochwertig und aromatisch gehandelt. Calvados aus dieser Region nimmt etwa ein Viertel der gesamten Produktionsmenge ein.

Die östlichste Calvados-Region Frankreichs mit der Stadt Lisieux in ihrem Zentrum lässt besondere Anforderungen hinsichtlich der Herkunft der Früchte, der Destillation und auch der Lagerung auf den Plan treten.

Die nährstoffreichen Böden der Region Pays d’Auge versprechen besonders hochwertige und aromatische Früchte, weswegen sie die erste war, die AOC-klassifiziert wurde.

Für einen solchen Calvados gilt die Vorschrift der ausschließlichen Produktion in Pays d’Auge, die maximale Zugabe von 30 Prozent Birnen und die diskontinuierliche Destillation in einem zweifachen Verfahren. Der Cidre muss eine Mindestzeit von 42 Tagen gären, während der fertige Calvados Pays d’Auge mindestens zwei Jahre der Reifung durchläuft.

Beispiele für sehr hochwertige Calvados Produkte aus dieser Region sind unter anderem der Christian Drouin XO Calvados Pays d’Auge und der Château du Breuil 15 Ans d’Age (mit einem Klick auf den Link gelangen Sie jeweils zur Produktvorstellung).

Calvados Domfrontais: Ein seltener, facettenreicher Genuss

Zu guter Letzt spielt auch der Calvados Domfrontais eine wichtige Rolle. Die Region Domfrontais südwestlich von Pays d’Auge ist noch recht jung und wurde 1997 offiziell AOC-klassifiziert.

Auch hier gilt, dass der Calvados ausschließlich innerhalb der Region hergestellt werden darf, was auch für die geografische Lage der Plantagen gilt. Doch auch die Ausstattung der Plantagen ist in Domfrontais besonders. 15 Prozent der Bäume innerhalb der Region müssen Birnbäume sein und rund ein Viertel der Plantagen müssen hochstämmige Bäume vorweisen.

Eine Gärdauer von 42 Tagen ist für den Cidre aus Domfrontais ebenfalls vorgeschrieben, wobei die Maische einen Mindestanteil von 30 Prozent Birnen aufweisen muss. Dies lässt sich vor allem durch die Beschaffenheit des Bodens in Domfrontais begründen.

Birnbäume bilden hier weitaus aromatischere Früchte aus als Apfelbäume, weswegen sie für die Aromatik des Calvados Domfrontais so wichtig sind. Anders als in Pays d’Auge muss der Calvados Domfrontais in kontinuierlicher Destillation gewonnen werden und wenigstens drei Jahre lang reifen.

Calvados Domfrontais ist ein seltener Genuss. Knapp ein Prozent aller Tropfen stehen als Domfrontais in den Regalen.

Doch nicht nur deswegen gilt er als Besonderheit, denn auch sein Charakter unterscheidet sich von anderen Calvados-Varianten. Calvados Domfrontais weist eine sehr facettenreiche und fragile Aromatik auf, die er vor allem der Beigabe hochwertiger Birnen zu verdanken hat.

Typologie in Bezug auf Alter und Reifung

Calvados SortenÜber die Unterscheidung des Calvados hinsichtlich seiner Herkunft haben Sie nun bereits das Wichtigste erfahren. Ein Detail, das bei der Typologie jedoch nicht vergessen werden darf, ist das Alter des Tropfens.

Da ein Calvados im Regelfall aus mehreren Tropfen verschiedener Jahrgänge komponiert wird, gilt die Klassifikation stets für den jüngsten enthaltenen Calvados. Erkennbar ist das Alter anhand verschiedener Bezeichnungen auf der Flasche:

V.S. (= Very Special)

Diese Bezeichnung gilt für Calvados, dessen jüngster Anteil eine Reifung von zwei Jahren im Fass genießen durfte. Hinweise auf diese Klassifizierung stellen auch drei Sterne oder Äpfel auf der Flasche dar. Ein V.S. Calvados überzeugt in der Regel durch eine hellgoldene Färbung und sein fruchtiges Bouquet.

Er lässt sich gut als Digestif oder gekühlter Aperitif genießen, macht jedoch auch zum Füllen des „Normannischen Loches“ zwischen den Gängen einer Mahlzeit eine gute Figur. Auch in Cocktails mit Calvados verspricht ein V.S. Tropfen eine harmonische Note.

Reservé

Der jüngste Anteil eines solchen Calvados reifte für wenigstens drei Jahre im Fass. Alternativ bezeichnen manche Hersteller diesen Typ auch als „Vieux“.

V.O. (= Very Old)

Ein Calvados darf die Klassifizierung V.O. tragen, wenn sein jüngster Anteil vier Jahre lang reifen durfte. Da er weder zu den jüngsten noch zu den ältesten Vertretern seiner Art zählt, kann der V.O. Calvados sowohl vor einer Mahlzeit als auch als Digestif genossen werden.

V.S.O.P (= Very Special Old Pale)

Ein Reifungsjahr mehr als beim V.O. Calvados, also fünf Jahre, muss der jüngste enthaltene Calvados für die offizielle Bezeichnung V.S.O.P vorweisen können. Die warme Bernsteinfarbe und sein rundes und weiches Aromengefüge machen einen V.S.O.P Calvados aus.

Er eignet sich daher besonders gut, um ein leckeres Mahl mit einem ebenso schmackhaften Digestif zu vollenden.

X.O. (= Extremely Old)

Hierbei handelt es sich um die ältesten Calvadossorten, die Sie am Markt finden werden. Der jüngste Anteil muss für mindestens sechs Jahre im Fass reifen, bevor diese Bezeichnung vergeben werden kann.

Weitere Namen für diesen sehr alten Calvados sind „Extra“, „Napoléon“, „Age inconnu“, „Hors d’age“ und „Très vielle Réserve“. X.O. Calvados bestechen durch ihre dunkle Färbung und ein enorm dichtes und vielschichtiges Aromenprofil. Kenner genießen sie daher gerne pur zu einer guten Zigarre oder zu dunkler Schokolade.